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Wiesbadener Kurier 19.12.2016   

Bühne auf dem Hofgut – Mit dem KulturGUT in Bechtolsheim erfüllt sich ein Musiker-Paar einen Traum

Von Anja Baumgart-Pietsch

BECHTOLSHEIM - „Scheune auf – Mucke rein.“ So lässt sich ganz kurz beschreiben, was die Wiesbadener Sängerin Elke Diepenbeck – Frontfrau der „Nightbirds“ – und ihr Mann Roland Kalus, ebenfalls Musiker, seit fünf Jahren im kleinen rheinhessischen Bechtolsheim, rund 40 Kilometer von Wiesbaden entfernt, in einem historischen Hofgut aus dem Jahr 1772 auf die Beine gestellt haben. „KulturGUT“ nennt sich das Projekt.

„Fünf Jahre sind wie im Fluge vergangen und waren doch die intensivsten, die wir bisher erleben durften. Mehr als 150 Veranstaltungen haben wir hier organisiert und einigen Tausend Besuchern damit Freude bereiten können.” Die beiden Musiker suchten viele Jahre nach dem geeigneten Objekt, um ihren Traum vom Leben auf dem Land mit einer eigenen „Feinkunstbühne” zu verbinden, wie sie es selbst nennen.

Auf der kleinen Bühne im KulturGUT gab sich schon bald nach der Eröffnung im Oktober 2011 die Crème de la Crème der Akustik-Szene die Klinke in die Hand. Von lokalen Bluesmusikern wie Biber Herrmann über italienische Gitarrenpoeten wie Franco Morone, dem amerikanischen Singer und Songwriter Hans York, dem Akustik-Star Clive Carroll und der Gitarristin und Sängerin Christina Lux waren auch bald bekannte Kabarettisten wie Lars Reichow und DESiMO, der Moderator Martin Seidler oder das Kindertheater-Ensemble der Mainzer Kammerspiele zu Gast.

„Wir als Betreiber nahmen uns natürlich auch gerne die Zeit und sorgten mit ’Ladies Nyyght’, den Nightbirds, der Hommage an Caterina Valente oder mit Whisky-Tastings für kurzweilige schöne Abende”, berichtet Elke Diepenbeck.

Dass von Anfang an auch Workshops und Unterricht angeboten wurden, erwies sich als hervorragendes Konzept, denn nur in diesem Paket konnten hochkarätige Künstler verpflichtet werden. Denn das KulturGUT erhält keinerlei Subventionen oder Zuschüsse.

So machte sich das Veranstalterpaar innerhalb weniger Jahre einen guten Namen als Gastgeber für feine akustische Musik und Kabarett. „Und dabei blieben wir unserem Credo ,Auf unserer Bühne spielen nur Künstler, die uns im Herzen berühren‘ immer treu!”, so Roland Kalus.

„Und Nachwuchsförderung liegt uns auch am Herzen. Mit der ’New Artist’-Reihe oder der OpenStage mit Beiträgen regionaler Künstler haben wir Konzepte, die erfolgreich laufen”, erläutern die engagierten Betreiber, die beide auch selbst Musikunterricht erteilen. Und warnen die Zuschauer gleich vor: „Stöckelschuhe sind weder im Ort noch in unserem gepflasterten Innenhof praktisch.” Denn hier geht es halt ländlich zu: Und das heißt rustikal, gemütlich, familiär.

 


Allgemeine Zeitung 18.10.2016
 

Einer, der beim Zuhörer Bilder erzeugt

Von Ulla Grall

KONZERT Clive Carroll gibt im Bechtolsheimer Kulturgut Mix aus Swing, Blues, Jazz und Rock zum Besten

BECHTOLSHEIM - Fünf Jahre existiert das Bechtolsheimer Kulturgut nun und ist längst über den Status eines Geheimtipps hinausgewachsen. „Wir hatten schon eine tolle Geburtstagsfete“, sagt „Kultur-Gutsherr“ Roland Kalus, „aber der eigentliche Höhepunkt der Feiern ist heute!“

Damit sagt er einen Musiker an, der mit der Geschichte der Bühne eng verbunden ist und schon zum fünften Mal die Kulturgut-Bühne betritt: „Clive Carroll, einer der besten Gitarristen, den ich kenne.“

„Nett, hier zu sein“, begrüßt Caroll seine Zuhörer, die die Sitzreihen komplett füllen. Vor seiner aktuellen Tour durch Deutschland kam er gerade aus Schottland und hat „a little peace of Scottland“ – ein kleines Stück Schottland mitgebracht. Wie kaum ein zweiter beherrscht er es, akustische Impression zu schaffen, beim Zuhörer Bilder zu erzeugen. So auch beim balladenhaften Stück „den Eindruck vom Fahren auf einer endlosen, amerikanischen Straße“.

Geboren ist Carroll im englischen Essex, wo er auch lebt, in eine Musiker-Familie, die sein Talent förderte: „Ich begann mit sieben oder acht Jahren, Gitarre zu spielen.“ Er studierte am Trinity College of Music in London Gitarre und Komposition, trat mit Tommy Emmanuel auf und tourte mit John Renbourn, mit dem er auch die Musik für den Film „Driving Lessons“ schuf. Der Gitarrensound zum Film „Der Herr der Ringe“ stammt von Carroll. „Ausnahme-Gitarrist“ nennt ihn die Fachpresse, technische Virtuosität wird ihm bescheinigt – was soll man dem hinzufügen? Wenn er, wie bei „Oregon“, sein Instrument klopft, streichelt, durch das Ziehen der Saiten den Tönen ein besonderes Timbre verleiht, mit der linken Hand die Melodie führt und mit der rechten kleine „Zwischenmelodien“ einflicht, herrscht atemlose Stille im Publikum. Ist der letzte Ton verhallt, bricht frenetischer Beifall aus. „Es ist eine aufregende Zeit für mich“, stellt er fest. Seine neue CD „The furthest Tree“ ist im August erschienen. Alle Stücke sind eigene Kompositionen Carrolls, er begeistert mit dem balladesken „Lady oft the valley“ ebenso wie mit „Adventures of Wilfred“, in das er scherzhafte musikalische Anmerkungen eingeflochten hat.

Swing und Blues, Jazz, Folk, Rock, er kann einfach alles und wenn er verschiedene klassische Kompositionen andeutet und zu einem wundervollen Gebinde verwebt, scheint er sich über die staunende Zuhörerschaft köstlich zu amüsieren. Darüber hinaus ist er ein wunderbarer Erzähler, der zwischen zweien seiner atemberaubend virtuosen Stücke mit einem jungenhaften Grinsen locker und sympathisch plaudert.

Ein Teilnehmer des Workshops, Ralf Krämer, nach eigener Aussage ein „Lagerfeuer-Gitarrist“, berichtet in der Pause: „Es ist unglaublich, wie er musikalische Zusammenhänge heranbringt.“ Seinen Schülern „serviert er die Kenntnis über komplizierte Techniken häppchenweiseund „holt das Beste aus einem heraus.“

Ein besonderes Highlight ist die „Renaissance Suite“, fünf Sätze, die Carroll für seine CD gemeinsam mit dem Klassik-Gitarristen John Williams eingespielt hat. Fürs Bechtolsheimer Publikum hat er Williams’ Part selber aufgenommen und spielt das Acht-Minuten-Stück sozusagen mit sich selbst im Duett. Volle Konzentration ist da erforderlich: „Ich seh’ Euch dann später“, scherzt Carroll, bevor er sein Auditorium ganz dem hingerissenen Zuhören überlässt.

 



Bechtolsheim: Nightbirds spielen zum fünften Geburtstag des KulturGuts auf

Allgemeine Zeitung, 04.10.2016 Von Ulla Grall

BECHTOLSHEIM - Dass zum fünfjährigen Geburtstag des KulturGuts die Party in der Bechtolsheimer Musikhalle steigt, war eine Entscheidung aus Platzgründen: Die Nightbirds spielen – 15 Mann und Frau hoch – in zu großer Besetzung. Das hätte die kleine feine KulturGut-Bühne gesprengt. Ganz abgesehen davon, dass man die ganz großen Feten nicht unbedingt daheim feiern muss …

Die Band, in der KulturGut(s)-Herrin Elke Diepenbeckl seit 1988 singt, wird in diesem Jahr 40, ein Grund mehr, dass die Musikhalle an diesem Abend aus allen Nähten platzen wird. Tanzen ist angesagt. Tanzen, bis die Schuhsohle abfällt!

 

Mit „Happy Birthday to You“, in der fetzigen Version von den drei Damen in Rot, Elke Diepenbeck, Nanny Byl und Simone Kerchner, auf die Bühne gebracht, beginnt der Abend. Roland Kalus, die zweite Hälfte des KulturGut-Paares, begrüßt Musiker und Geburtstagsgäste, die Bewirtung des Abends hat der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bechtolsheim übernommen.

Von Anfang an heizen die Nightbirds ihrem Publikum kräftig ein. Als Torsten Haus, neben Keyboard und Gitarre vor allem auch Gesang, „Unchain my heart“ intoniert, geht Jubel durchs Auditorium. Von ihm stammen die meisten Arrangements der Gruppe, wie Bandleader Kourosh Enayat in der Pause erzählt. „Zum Repertoire steuert jeder von uns was bei.“ Das macht das Programm so abwechslungsreich: Alte Hits und junge Titel, die Gäste sind durchaus gemischten Alters und für jeden ist was dabei, das ihn zum Tanzen lockt. Vom Diskofox bis „Freestyle“, alles gleichzeitig, und die großzügig bemessene Tanzfläche ist immer voll.

Fast alle Nightbirds sind musikalische Multitalente, auch wenn die Gruppe nur zur Hälfte aus Berufsmusikern besteht. Enayat beispielsweise verdient seine Brötchen im Immobiliengeschäft. „Leben kann man nicht davon, ein Nightbird zu sein. Auch die Profis unter uns machen alle noch andere Musik-Jobs.“ Etwa ein Dutzend Auftritte im Jahr absolvieren die Nightbirds. Dass allen Mitgliedern ihre Band riesigen Spaß macht, hört und sieht man, am Sound, an der Interaktion und der Bühnenpräsenz. „Oh, what a Night!“ Uwe Liebeck, der Percussionist, kann auch singen, Keyborder Jörg Ochs demonstriert bei „Proud Mary“ wie tief sein Vocal-Bass ist, wenn Teile der Bläsertruppe mal eben Pause haben, geben die Herren die „Dance-Group“, Nanni geht schon mal ans Keyboard und Elke, das Entertainment-Talent, lässt, „Rythm is gonna get You“, das Publikum mitsingen: „Oh, Yeah!“. Die starken Bläser, Steffen Friedel und Armin Schönert am Saxophon, Ralph Ammelung mit der Posaune und die Trompeten von Enayat, Helmut Gerber und Joachim Theisen – übrigens ein „Nightbird von Anfang an“, sorgen für strahlenden Sound. Hansi Kremer spielt seine Gitarre heiß, Bassmann Thomas Fischer bewahrt die „tiefe Ruhe“ und perfektioniert auch stimmlich den Sound und dafür, dass der Rhythmus immer stimmt, sorgt Patrick Hottum an den Drums.

Mitternacht ist vorbei als, „Thank you for the Music“, das Ende des Abends naht. Heftig erklatschte Zugabe Nummer zwei ist die „Bohemian Rapsodie“. Die Bechtolsheimer sollten sich nicht wundern, wenn die Außenwände ihrer Musikhalle vom Powersound nun etwas nach außen gewölbt scheinen


Lars Reichow begeistert mit seinem neuen Programm „Freiheit“ in Bechtolsheim (Allgemeine Zeitung, 13.09.2014)

Von Ulla Grall

BECHTOLSHEIM - „Freiheit ist ganz einfach, man muss sie kennen – und nutzen“, sagt Lars Reichow, als er im KulturGut sein neues Programm als Vorpremiere präsentiert. „Freiheit!“ ist auch der Titel des Abends, und über diesen Begriff kann der Kabarettist schier unendlich philosophieren, schwadronieren und singen.

Freie Plätze gab es im KulturGut allerdings nicht mehr. „Wir hätten zweimal ausverkauft sein können“, meinen Elke Diepenbeck und Roland Kalus, die auch gleich auf die nächsten Veranstaltungen hinweisen: Drei Jahre Kultur-Gut sind Grund zum Feiern, ein vielfältiges Programm wartet auf alte und neue Freunde der Bechtolsheimer Klein- und Feinkunstbühne.

Kübelweise Eiswasser

„Sie sind heute Abend Zeuge eines Experiments“, begrüßt Reichow seine Zuhörer. „Es ist eine Vorpremiere und in dieser Form noch nicht auf der Bühne gewesen: Freiheit!“

Dazu hat Reichow allerhand zu sagen. Es beginnt mit der – vermeintlichen – Freiheit, die ein Handy mit sich bringt, „Ich hab’ meines mal in Köln verloren, das war die schönste Woche meines Lebens“.

Aufgegriffen wird von Reichow auch die grassierende Sitte, sich kübelweise Eiswasser über den Kopf zu schütten, und Wowereits Rücktritt: „Termin ist der 1. Dezember, ich bin gespannt, ob er ihn einhalten kann.“

Vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen ist typisch für Reichow, seine Worttiraden führen ihn vom Naheliegenden zum entferntesten Gedanken. Und immer wieder zurück zum Thema Freiheit.

Über die singt er auch: „Freiheit kann so leise sein, dass man sie kaum noch hört“, und es klingt auch schon mal ernst: „Freiheit ist auch Verantwortung.“

Der rasche Wechsel zwischen Gesang, bei dem er sich zur Begleitung, ganz ungewohnt, anstatt eines Flügels eines Keyboards bedient, und geschliffenem Sprachbombardement ist immer auch mit einem Stimmungswechsel verbunden. So palavert er ausgiebig über den Urlaub im Wohnmobil. „Das ist so authentisch“, findet seine Frau – und Reichow entdeckt bei den Familienferien in Norwegen verblüffende Parallelen: „Ein Wohnmobil ist wie ein Zauberwürfel: Ein Dreh, und es ist ein ganz anderes Zimmer.“ Jeder Satz bringt einen Lacher. Ob das Publikum sich an eigene Erfahrungen erinnert, wenn er feststellt: „Ohne Autan ist so ein Urlaub sehr authentisch!“?

Neulich 50 geworden

Später gesteht er: „Ich bin neulich 50 geworden – ein geniales Alter!“ und untermauert diese Behauptung mit allerhand Beispielen, überspitzt vielleicht, aber immer aus dem vollen Leben gegriffen. Sein Fazit: „Mit 50 ist man für junge Frauen interessant, für gereifte Damen sehr interessant, und die 70- bis 100-Jährigen liegen einem zu Füßen.“ Mit dem „Ich bin 50“-Rapp beweist er jedoch seine musikalische Jugendlichkeit.

„Sie wissen doch alle, was eine App ist?“, fragt er nach der Pause und kommt singend in den Mainzer Dialekt, dann ins Bayerische, ins Amerikanische, ins Französische, ins Russische… „und eine App, die nutz ich nur zuhaus’, wenn man da draufdrückt kommt der App-laus.“ Der kommt prompt. Die Zuhörer gehen mit, sind begeistert, lachen, klatschen an den richtigen Stellen. Wenn das „Vorpremiere“ heißt, darf man auf die Premiere gespannt sein.

 

Seine Abendgage spendete Reichow übrigens der Pfarrer-Landvogt-Stiftung in Mainz. Ganz ohne Eiswasser-Kübel.

 

Mit vollem Körpereinsatz (Allgemeine Zeitung, 14.07.2014)

Von Klaus Mümpfer

KONZERT Michael „Kosho“ Koschorreck erntet für seinen Auftritt in Bechtolsheim frenetischen Beifall

BECHTOLSHEIM - Michael „Kosho“ Koschorreck beginnt mit einem leisen und emotionalen Song. Filigranes Saitenspiel und sparsame Percussion auf dem Korpus des Instruments, dazu eine Stimme, die von sanftem und warmem Klang über eine Oktave ins gepresste Falsett springt, kennzeichnen „Better than moon“.

Mit Basslinien unterlegt

Der Gitarrist spielt beim Solokonzert im Bechtolsheimer Kulturgut von Elke Diepenbeck und Roland Kalus mit vollem Körpereinsatz. Er windet sich bei „On green Dolphin Street“ auf dem Hocker der kleinen Bühne, legt den Kopf in den Nacken, schließt die Augen, greift die Saiten mit Fingerpicking und reißt die Bass-Akkorde mit dem Fingernagel hart und knallend. In seinem individuellen „mondo funk guitar“-Stil verbindet der 54-jährige Wormser Gitarrist Bossa nova, Blues, Jazz und Flamenco auf eine unnachahmliche Weise. Mit seiner Musizierweise und dem eigenwilligen Gesang hat Kosho einen Alleinstellungsanspruch erworben.

Wie kaum ein anderer Künstler unterlegt er seine Melodien mit Basslinien und verbindet er beides mit perkussivem Klopfen auf den tiefen Lagen den Saiten und dem Korpus seiner Gitarren.

Das Publikum im ausverkauften Kulturgut klatscht frenetisch Beifall, wenn der Gitarrist „Liar“ leise und melancholisch oder „Here comes the Blues“ als langsamen Blues angeht, um später mit Tempo- und Intensitätssteigerung mitzureißen. Koschorrecks Interpretation von „With a little help from my friends“ hebt sich kontrastreich von der bekannten Joe Cocker-Version ab.

Da spielt der Künstler mit dem bereitwilligen Publikum, lässt die Zuhörer bei lautlosen Takten mitsingen. Dagegen leitet er „I wonder why“ mit einem langen instrumentalen Solo ein, bevor die Stimme einsetzt. Mit einem kurzweiligen Musiktheater verführt Kosho sein Publikum. Er stammelt und schlägt sich vor die Stirn. In „Forget to do it“ spielt und singt er von der Vergesslichkeit.

Als amüsanter Entertainer erweist sich der Künstler, wenn er in „Relase“ zum Text Wilfred Barlows über die Alexander-Technik, von der Wechselwirkung von Sex und Entspannung, vom relaxten Charlie Parker und Miles Davis sinniert und schließlich auf die Frage an das Publikum, ob es bei seinem ostinaten Basslinien-Spiel entspannt sei, die vielstimmige Antwort „Yeah“ erhält.

„Trocken und dreckig“

Die Töne einer jubilierenden Amsel im Hof des Kulturgutes nimmt der Gitarrist in seinem „Blackbird“ auf. Im Blues „This is my life“ fordert Koschorreck Roland Kalus am Mischpult auf, den Ton „trocken und dreckig“ zu färben. Er greift die Blue-Notes mit Saitenbending und nutzt die Glissandi-Verzerrungen des über den Ringfinger gestülpten Metall-Bottlenecks.

Kontrastierend wagt der Künstler in seiner Komposition „Play a piece by Bach“ die Verbindung zur Klassik. Das Publikum singt die Melodie durchaus einfühlsam mit, bevor sich der Gitarrist und Sänger mit zwei eher satirischen Songs über den Urlaub in Spanien und „I can’t buy a ticket“ unter anhaltendem Applaus verabschiedet.

 

„Auf dem Weg zum Weltruhm“ (Allgemeine Zeitung, 03.03.2014)

Von Ulla Grall

KONZERT A-Cappella-Quartett „Les Brünettes“ im KulturGut in Bechtolsheim

BECHTOLSHEIM - „Ich sehe viele neue Gesichter“, begrüßt Elke Diepenbeck die Gäste im KulturGut, „ich hoffe, ich sehe Sie jetzt öfter.“ Dann kündigt sie an: „Vier junge Damen, die sich auf dem Weg zum Weltruhm befinden!“ „Les Brünettes“, heißt das A-Cappella-Quartett – braunes Haar ist das gemeinsame Merkmal, das den Vieren den Namen gab. Sie stellen sich vor mit dem Beatles-Song „Here comes the sun“ und zaubern damit sofort ein Lächeln auf die Gesichter aller Zuhörer.

Inspiriert von „Les Supremes“ oder den „Andrew Sisters“, aber doch auf eigene Art und Weise interpretieren sie ihre Musik, ob melancholisch, ob swingend, jazzig oder flott-poppig.

Die „Neunundneunzig Luftballons“ werden besser als das Original, bei der Brünettes-Version von „Die Gedanken sind frei“ darf das Publikum mitsingen und mit „Siebzehn Jahr’, blondes Haar“, veralbern die vier sich selbst, das Publikum und „Altmeister“ Jürgens gleichermaßen. Die Zuhörer einzubeziehen gelingt dem Quartett nicht nur beim „Verlosungsspiel“ mit seinen Autogrammkarten und etwas Werbung für seine CD.

Bechtolsheim ist die letzte Station der „Les Brünettes“-Tour durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz, bei der sie ihr erstes gemeinsames Album vorstellten. „Weltruhm ist es vielleicht noch nicht ganz“, wiegelt Juliette Brousset ab. Die Französin singt im vierblättrigen Kleeblatt Sopran, mit glasklarer Stimme bis in die höchsten Höhen. Alt und Mezzo ist die warme Stimmlage von Julia Pellegrini, von Bass bis Sopran kann Stephanie Neigel mit einer großen Klangspanne aufwarten und die sexy-rauchige Stimme von Lisa Herbolzheimer rundet das Klangfarben-Spektrum aufs Harmonischste ab. Denn harmonisch ist das, was die Mädels zu Gehör bringen, immer. Sie liefern perfekten Sound auch dann, wenn es das Arrangement verlangt, dass sich die Harmonien reiben müssen. Dass sie nicht nur stimmlich, sondern auch als Persönlichkeiten gut zusammenpassen, merkt man, abwechselnd machen sie die Ansagen und die kleinen Choreographien, mit denen sie ihre Songs illustrieren, verstärken den Eindruck: Da sind vier Freundinnen zusammen, die an ihrer Musik riesigen Spaß haben (und die sich sogar auf eine einheitliche Kleiderfarbe einigen konnten!). Hübsch, selbstsicher und gut gelaunt bedienen sie auch die Technik ihres Loopers, mit dem sie von Fall zu Fall die Percussion – wie bei „Rotation“ oder gleich eine ganze Bigband simulieren können und bedanken sich nicht nur bei den KulturGut-Gastgebern Elke Diepenbeck und Roland Kalus, sondern auch bei ihrem Toningenieur Thomas Mark.

Kennen gelernt haben sich die vier jungen Frauen beim Musikstudium in Mannheim, jede von ihnen ist musikalisch noch anderweitig aktiv, aber, wie sie sagen: „Wir hatten Lust auf ein A-Cappella-Projekt.“ Vor zwei Jahren fiel der Startschuss für „Les Brünettes“. „Es gibt dafür nicht so viel Material“, erklärt Lisa Herbolzheimer nach dem Auftritt. „Darum haben wir gleich angefangen selbst zu schreiben und zu arrangieren“. Im Repertoire sind schon jetzt viele Eigenkompositionen der Musikerinnen. Die neue CD, die im Spätsommer erscheinen soll, wird ausschließlich mit eigenen Titeln aufwarten.

 

Liedtexte mit Tiefgang (Allgemeine Zeitung, 21.01.2014)

Von Marta Thor

KULTURGUT Sophie Knops und Ryan Burns spielen in der Reihe „New Artists“ vor ausverkauftem Haus

BECHTOLSHEIM - „Wer mich kennt, der weiß, ich fluche gerne über das Internet und die Medien, das ist für mich ein kalter Fisch. Aber manchmal, wenn auch nur ganz selten, da findet man in diesem Riesenteich doch einen Goldfisch, vielmehr eine Goldfischin“, freute sich Kulturgut-Betreiber Roland Kalus diebisch über seinen neusten „Fang“, Sophie Knops aus Mönchengladbach. Die erst 16-jährige Singer-Songwriterin durfte zusammen mit dem 32-jährigen Ryan Burns aka DataLaForge, einem gerne gesehenen Wiederholungstäter bei der regelmäßigen Open Stage des Kulturguts, in der neuen Reihe „New Artists“ konzertieren.

Plattform für junge Talente

Kalus und seine Frau Elke Diepenbeck sind selbst Musiker und möchten mit der Reihe jungen, talentierten Künstlern eine Plattform bieten. Wer nun meint, dass das Interesse bei solch unbeschriebenen Blättern wie Sophie und Ryan Burns nicht allzu hoch sein dürfte, der irrt, denn das Konzert war schnell ausverkauft, einige Gäste mussten sogar an der Tür abgewiesen werden. Diepenbeck wertet das als gutes Zeichen, um die Reihe fortzusetzen.

Sophie Knops, das Mädchen mit dem „magischen Daumen“, das Kalus schon in einem Internet-Video „umgehauen“ hatte, hat bereits einige Bühnenerfahrung gesammelt. Doch es ist das „erste Mal, dass ich so weit weg, also außerhalb von Nordrhein-Westfalen, bin“, erzählt sie dem Publikum sichtlich aufgeregt. Völlig unaufgeregt dagegen singt sie eine Eigenkomposition nach der anderen, stimmlich und technisch mit einer professionellen Sicherheit. Ihre Stimme ist noch jugendlich, aber mit einer gewissen Reife, ihre ruhige und gefasste Vortragsweise erinnert mit ihrer Schwermut ein wenig an eine sentimentale Joni Mitchell, und auch die Songs selbst zeigen einen sehr reflektierten und in sich gekehrten jungen Menschen.

Sophie beeindruckt nicht nur durch ihre absolut präzise und leichthändige Spielweise ihres Instruments, sondern vor allem durch den Tiefgang ihrer Texte. „Home“ ist eine Hommage an ihre jüngere Schwester, in „Back On Track“ besingt sie die Veränderung in einer Freundschaft, mit „Strong For You“ gelingt ihr eine gefühlvolle Ballade für ihre alleinerziehende Mutter, die sie in einigen Songs stimmlich unterstützt. Mit Tim Lazerzewski an der Cajón, einer Kistentrommel, und drei Gitarren im Wechsel schlägt, zupft und klopft sich die junge Künstlerin mit einnehmender Präsenz und Eindringlichkeit in die Herzen des Publikums.

Eine Gabe, die auch Ryan Burns besitzt. Als Kontrast zur ernsten und melancholischen Sophie aus der ersten Halbzeit, besticht der US-Amerikaner mit seinem Urban Folk, einer ebenfalls nachdenklichen, doch auch mit Augenzwinkern und offenherzigen Lachen vorgetragenen Spielweise. Drei Jahre lebte er mit seiner kleinen Familie in Deutschland, in zwei Wochen geht es wieder zurück in die Staaten. Wie schwer für ihn der Anfang sein musste, lässt sich an eigenen Liedern wie „Don’t Light The Candle“ („... when I’m gone“) nur erahnen. Doch trägt Burns auch solch schwere Kost mit positiver Energie vor.

Aufwühlendes Duett

Seine Liebe zur Musik und zu seiner Familie spiegelt sich in einigen seinen Liedern wieder, die er seiner Tochter, Frau oder Mutter widmet. Mit Amy Betchelder-Mohs, ebenfalls einer Amerikanerin aus New England, mit der Burns oft gemeinsam auf der Bühne des Kulturguts musizierte, singt er auch das Sehnsucht weckende Reiselied „The Wind Changed“. Betchelder-Mohs klarer und kraftvoller Sopran ergänzt dabei gefühlvoll Burns’ weiche, warme Stimme. Ungläubig wird Burns um eine Zugabe gebeten und spielt zum Abschluss noch „Let Her Go“ von Passenger, was Sophie zu einem spontanen Spurt auf die Bühne und einem improvisierten, aufwühlenden Duett animiert.

Ein rundum gelungener Auftakt einer neuen Reihe, mit hoffnungsvollen Jungmusikern, von denen, da ist sich Kalus sicher, „noch viel zu hören“ sein wird.

Intensive Zeit mit Clive Carroll (Allgemeine Zeitung, 29.10.2013)

29.10.2013 - BECHTOLSHEIM

Von Marta Thor

KONZERT Ausnahmegitarrist spielt im ausverkauften Kulturgut in Bechtolsheim

Ein Konzert mit dem Ausnahmegitarristen Clive Carroll ist vor allem eines: intensiv. Vor zwei Jahren schon gab der Engländer im Kulturgut sein erstes Deutschlandkonzert in voller Länge, und er kam jedes Jahr wieder, im Gepäck seine Ralph-Bown-Gitarre aus dunklem Rosenholz und zwei Workshops für ambitionierte Gitarristen. Im ausverkauften Kulturgut herrschte abwechselnd andächtige Stille und frenetischer Applaus. Etwas anderes hatte Hausherr Roland Kalus auch nicht von „einem der wunderbarsten Gitarristen dieser Planeten“ erwartet: „Sonst lungert er bei Madonna herum, aber nun hat er endlich erkannt, dass sich hier das wahre Kulturzentrum befindet.“

Witzige Tour-Anekdoten Mit seiner bescheidenen Art fand Carroll sofort einen Draht zum Publikum. Zwischen sanften Melodien und virtuosem Fingerstyle erzählte der Künstler viel über seine Inspirationen, seine Familie und witzige Tour-Anekdoten aus aller Welt. Beachtlich ist vor allem seine unglaubliche Wandlungsfähigkeit. Egal welche Stilrichtung, Carroll behält dabei seine eigene Ausdrucksform. Ein für ihn ungewöhnlich irisch angehauchter Song mündete in verspielter und anspruchsvoller Fingerarbeit, das Konzert „Czardas“ für Klavier und Violine von Vittorio Monti spielte er mit technischer Hilfe als Arrangement für zwei Gitarren in Manier von Django Reinhardt mit typischen Gipsy-Swing- Elementen. Auch sein Crossover aus Bach und Blues, die „Renaissance Suite“ für zwei Gitarren, komponierte Carroll für sich und seinen Mentor John Renbourn, dessen Part er live übernahm. Für das Werk aus fünf Sätzen konzentrierte er sich völlig auf das Spiel, das an eine Mischung aus höfischem Tanz mit modernen Verzierungen erinnerte. „Das Besondere daran sind die völlig unterschiedlichen Elemente, die Modernisierung einer alten Kunstform“, erklärte Clive Carroll. Beim flotten „English Dance“ der Suite fehlten nur noch die freudigen Jauchzer.

Die erntete Carroll jedoch nach jedem einzelnen Stück, das die Hörer so in den Bann zog, dass die Zeit wie im Flug verging. Die Faszination Carrolls ging nicht nur von seiner Technik aus, zu der er zwischendurch auch ein paar Kniffe erklärte, sondern von der Intensivität, mit der er sein Instrument bearbeitet. Jeder Griff, jeder Slide und jedes perkussive Element am Klangkörper wurden von Carroll äußerst bedacht eingesetzt in einer leisen, aber prägnanten Spielart. Die Gitarre wurde zur Verlängerung des Körpers, mal von ihm weg, mal wieder heftig zu sich hin gezogen.

Bei „Oregon“, das eigentlich von einem Aufenthalt in Kanada inspiriert wurde, purzelten die Töne weit und wie aus einem Guss aus dem Instrument. Zugaben gefordert Nach einer, auch sängerisch, gelungenen Darbietung von„Big River“ von Johnny Cash holte Carroll die Gastgeberin und Sängerin Elke Diepenbeck auf die Bühne und spielte mit ihr zusammen den hinreißendenSong von Charlie Chaplin, „Smile“. Mit dem satten Sound von „Eliza’s Eyes“ und zwei virtuosen Zugaben endete nach fast zweieinhalb Stunden das Konzert zum großen Bedauern des Publikums, das dem Engländer am liebsten noch die ganze Nacht gelauscht hätte.

 

 

Streiten, schmollen und schmachten (Allgemeine Zeitung, 04.06.2013)

04.06.2013 - BECHTOLSHEIM

Von Marta Thor

KULTURGUT Berliner Ensemble „Piadeux“ zeigt instrumentalen Geschlechterkampf in Bechtolsheim

„Sie mögen Streit? Dann genießen Sie sicher die Action auf der Bühne. Das Schönste am Streit ist aber ihr Schmollen...“, grinst Gerhard A. Schiewe augenzwinkernd und linst vorsichtig über seine linke Schulter nach hinten. Aus der Ecke erschallt ein wütendes Knarzen, dann ein lang gezogener, klagender Ton der Geige. In einem pompösen blaugrauen Abendkleid steht dort Silva Finger, den Rücken zum Publikum gekehrt, und klagt ihr Leid durch eine Melodie. Erst leise, dann laut aufbegehrend, verschmelzen die Töne in versöhnendem Zusammenspiel mit Schiewes sanftem Akkordeonspiel.

Explosives Sting-Cover

„Meinst du nicht, es reicht langsam?“ unterbricht er kurz darauf ohne Vorwarnung und die schöne Blonde schmollt: „Ich war noch nicht fertig!“ Schiewe am Akkordeon und Finger an der Violine, das ist „Piadeux“ aus Berlin. Das Ensemble gastierte zum ersten Mal auf der Bechtolsheimer Kleinkunstbühne im KulturGUT, wusste aber mit geschickter Verflechtung von instrumentalem und inszeniertem Geschlechterkampf zu begeistern.

„Zwei Minuten Streit, zehn Minuten Schmollen – das Verhältnis stimmt nicht“, rügt Schiewe, der sich mit seinem Akkordeon auf einem Schemel mitten auf der Bühne niedergelassen hat, und animiert seine Lieblingsgeigerin zu einem heiteren Tanzlied. Sie, ganz Diva, ruht sich erst auf beinahe schmerzhaft hohen Tönen aus, bis sie das Stück schadenfroh mit der Geige zerkratzt. Bei Schiewe zucken dabei nur die beiden kunstvoll nach unten gezwirbelten Schnurrbartspitzen.

Während er sich stoisch auf die Kunst besinnt, das Publikum einer musikhistorischen Befragung unterzieht und den harten Mann rauslässt, ist sie ganz die sinnliche, musenhafte und verspielte Grazie, die es liebt, ihn zu reizen. Gemeinsam zeigen sie jedoch, dass abseits aller Komik die Musik die Hauptrolle in ihrem Programm spielt. Mit Stücken des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla und des Franzosen Richard Galliano setzen die beiden Musiker ihren Streit in der Musik fort.

In Piazzollas Tango Nuevo finden sie sehnsüchtig zueinander, spielen auch das „traumhaft schöne“ „Adios nonino“ und schmachten sich dabei mit Blicken und Tönen an. Gallianos „Habanerando“ dagegen dient ihnen mit dem wiederkehrenden Rhythmus als Reibungsfläche für einen leidenschaftlichen Streit. Finger umgarnt ihren Partner körperlich und musikalisch, bis ein Rollenwechsel erfolgt und Schiewe die Melodiestimme übernimmt. Übermütig greift sie ihn mit ihrem Spiel und dem Bogen an, und macht ihm den Platz auf dem Hocker streitig.

Wo im ersten Teil des Programms der Kampf der Geschlechter überwältigt, rückt zu späterer Stunde das präzise Spiel in den Fokus. Mit Gallianos Musette „Sertão“ leben sie ihre Spielfreude offen aus und scheuen weder vor Hildegard Knefs Schnulze „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, noch vor einem explosiven Cover von Stings „Roxanne“ zurück, bei dem sie tanzend die Bühne verlassen, auf Stühlen fideln und durch den Publikumsraum spielend umherwandern. Ein wahrer Pas de deux, der mit ebenso lautem wie anhaltendem Applaus und Gejohle belohnt wird.

 

Gitarrist Michael Fix zeigt im Bechtolsheimer Kulturgut Liebe zu seinem Instrument (Allgemeine Zeitung, 08.05.2013)


Von Sabrina Jennewein

Aus dem fernen Australien kam er extra angereist und für Roland Kalus, den Besitzer des Kulturguts, war es etwas ganz besonderes, einen der erfolgreichsten Exportschlager nach Bechtolsheim auf seine Bühne zu holen. Michael Fix ist Gitarren-Virtuose aus „Down Under“ und zählt zu den größten unter den Akustik-Gitarristen.

Der Vollblutmusiker riss in seiner mehr als zweistündigen Show das Publikum mit und verzauberte es. Kein Mucks war während der zahlreichen Stücke zu hören, jeder Ton wurde genossen und drang bis zur Seele durch. Der Gentleman unter den Gitarristen präsentierte sich passend im Anzug und begrüßte alle Anwesenden als seine „Mates“ – also seine Kumpels, wie man in Australien sagt. Mit seiner charmanten und witzigen Art lud er zu einer Reise durch die Musik ein und bat alle, sich anzuschnallen. Eröffnet wurde der Abend mit dem für Gitarristen sehr typischen Stück „Mas que nada“ von Sergio Mendes.

Es ist faszinierend zu hören, was Fix alles aus einer Gitarre herausholt. Durch Reiben, Trommeln, Klopfen gibt er jedem Stück seinen eigenen Sound. Er liebkost sein Werkzeug schon fast, um den besten Klang zu bekommen. Diese Liebe zu seinem Instrument kommt auch bei den Zuhörern an und macht gerade die Balladen zu Gänsehautmomenten. Der Funke zum Publikum war schon nach kurzer Zeit übergesprungen. Bei seinem Stück „Stringin‘ the Blues“ fühlen die Zuhörer die Entspannung und können förmlich den Sand spüren und die Palmen sehen, während der Titel „Makuzi“ einen mit den afrikanischen Klängen direkt nach Kapstadt brachte.

Der Fingerstyle-Gitarrist klingt wie eine ganze Band. „Da es um Sydney keine Bassisten gab, mussten wir uns eben alles selber machen“, so seine Erklärung dazu.

Abgesehen von Naturereignissen, haben auch seine Kinder Einfluss auf seine Melodien. So inspirierte ihn sein jüngster Sohn, als er gerade fünf Minuten alt war zu dem Stück „Promise“, nicht nur dass es Versprechen bedeutet, nein, sondern auch Verheißung – Potenzial, das sah er schon damals in ihm. Ein sehr bewegendes Stück, bei welchem jeder emotional berührt wurde. Als der Sohn neun Monate alt war, entstand „Mr. Wonglepong“ – eine liebevolle Anspielung auf seinen heute 15-jährigen Sohn Joshua. Mit ein bisschen Vorstellungskraft konnte man wahrlich spüren wie ein kleiner Zwerg durch die Wohnung tapst immer mit der Angst im Nacken, was als Nächstes passieren könnte.

Klassik und sexy Sound

Fix überzeugt aber nicht nur mit seinem wahnsinnigen Spiel mit den Fingern, sondern auch mit seinem Gesang. Bei „Fever“ wurde dem ein oder anderen heiß im Raum und das beabsichtigte er auch. „Rückt näher, schaut euren Nachbarn sexy an. Ich kann es von hier oben nicht sehen, also tut, was ihr wollt“, witzelte der Künstler. Im zweiten Set wurde es mit einem Medley von Bach, Brahms, Rossi und Beethoven klassisch.

Fix fesselte mit seiner vielseitigen Musikauswahl, mal einfühlsam, mal humorvoll, dann wieder leidenschaftlich, aber immer mit viel Gefühl. Seine leisen Töne sind die, die jedes Stück so einzigartig machen. Der dreimalige Gewinner des „Golden Guitar Award“ ist in allen Musikrichtungen zu Hause und spielt Brahms, Bach und Rossini mit genauso viel Liebe wie die Rolling Stones oder die Beatles.

Mit seinem Charme ist er nicht nur Musiker und Künstler, sondern auch ein Entertainer. Was dem Publikum gefiel und was es immer wieder mit lautem Lachen und tosendem Applaus quittierte. Zum Abschluss sorgte „Pipeline“ für schwungvolle Surfer-Stimmung und einen tollen Ausklang.

 

Blues benannt nach Pumpernickel

30.01.2013 - BECHTOLSHEIM

KONZERT Solo-Gitarrist Ian Melrose erhält im Kulturgut viel Applaus für seine Lieder

(sje). Mit seiner vollen Bandbreite verzauberte der Solo-Gitarrist Ian Melrose die Zuhörer im Kulturgut. Der Schotte kam extra aus Berlin angereist, um einen Gitarrenworkshop und ein Konzert zu geben. Die Fans kamen aus nah und fern, um einen der gefragtesten Akustikgitarristen der deutschen Musikszene zu hören.

Erlebnisse in Deutschland

Melrose begeisterte die Zuhörer mit seinen Stücken und den dazu gehörigen Anekdoten. Das erste Werk, das er präsentierte, hat seinen Ursprung in seinem allerersten Deutschlandbesuch. Melrose war bei seiner Gastfamilie zu Besuch und half beim Decken des Tisches. Doch statt eines Untersetzers legte er Pumpernickelbrot auf den Tisch, was bei seiner Gastfamilie für Erheiterung sorgte. Ein Erlebnis, das ihn geprägt hat und daraus entstand der „Pumpernickel-Blues“.

Geprägt durch Berlin

Geprägt wurde er aber auch durch seine Wahlheimat Berlin. Dort haben unterschiedliche Künstler aus verschiedenen Ländern Einfluss auf den Künstler genommen. Dadurch entstand beispielsweise ein afrikanisches Lied. Man hört die Trommeln und spürt regelrecht die Wärme der Sonne. Auch von einem syrischen Kollegen wurde Melrose beeinflusst, woraus ein ganz besonderes Stück entstand, welches er mit einem kleinen hawaiianischen Bambusinstrument spielte. Begleitet wurde er hierbei von seinem guten Freund und Künstler Ralf Gauck. Andere Stücke wie etwa der Song „Gigue highlandaise“ bekamen ihren Namen wegen einer Sauce hollandaise, wiederum andere wegen besonderer Kindheitserinnerungen. Das Stück „Molly vs. 121“ gibt den Kampf des Busses 121 gegen die berühmte Dampflok Molly wieder. Denn der Bus versteht nicht, warum die Lok so berühmt ist und in den Medien vorkommt und eigene Handtücher und Tassen hat. Ein Kampf entbrennt - und genau das setzte Ian in dem Stück super um. „Es macht einfach Spaß, solche Songs zu spielen“, so Melrose. Bei einigen Stücken wurde der Schotte von Ralf Gauck begleitet.

Lied zum Mitgrooven

Für Roland Kalus, den Besitzer des Kulturguts, ist es eine große Ehre, Melrose begrüßen zu dürfen. Er hat ihn 2009 bei dem „Open String Festival“ kennengelernt und den Kontakt aufrechterhalten. „Ich bin stolz, ihn hier zu haben. Er ist einfach ein toller Künstler mit einem unheimlich großen Repertoire“, erzählt Kalus. Neben gefühlvollen Werken hat Melrose aber auch etliche tanzbare Nummern im Angebot. „Lieder sollen nicht nur den Zuhörern Spaß machen, sondern auch mir“, erzählte der Künstler und spielte „Finger Pickers have more fun“, ein Stück zum Mitgrooven.

Immer wieder bekam der Sologitarrist Ian Melrose tosenden Applaus. So war es selbstverständlich, dass er am Ende eine Zugabe gab. Aber auch für ein Gespräch vor und nach dem Konzert war der Künstler bereit und zeigte sich sehr publikumsnah.

Flinke Finger und atemberaubende Klänge in Bechtolsheim


08.04.2013 - BECHTOLSHEIM Von Sabrina Jennewein
Finger schnipsten, Füße wippten und Köpfe wackelten im Takt. Bei dem zweiten Auftritt von Gitarrist Adam Rafferty im Bechtolsheimer Kulturgut war der Konzertraum rappelvoll. Fans kamen aus nah und fern angereist, um den New Yorker Künstler zu erleben. Die Spannung stieg als KultuGutbesitzer Roland Kalus seinen Freund ankündigte und löste sich in Applaus und Jubelrufen. Denn Adam Rafferty ist kein unbekannter in der Szene und gilt als einer der besten Fingerstyle-Gitarristen.

Würdig begrüßte er die Gäste in der „Hip-Hop-Weltstadt Belsem“. Sein faszinierendes akustisches Gitarrenspiel mit zwei simultanen Melodien untermalte er mit Hip-Hop-artigen Beatboxtönen. Mit dem Satz „It‘s getting hot in here“ und einer groovigen Salsa-Nummer heizte er bereits zu Anfang des Konzerts ordentlich ein. Mit großer Leidenschaft verlieh er Stücken seiner Lieblingskünstler Stevie Wonder, Michael Jackson, Kenny Rogers oder den Jackson Five seinen eigenen Stil. Aber auch seine eigenen Titel berührten die Zuhörer. Mit „Jills Song“ präsentierte Rafferty eine unheimlich gefühlvolle Ballade, die zu Tränen rührte. Immer wieder erzählte er kurze witzige Anekdoten zu seinen Songs. So fragte er nach einer Premiere in Magdeburg seine 1500 Freunde nach dem Titel zu einem ganz neuen Stück, und so kam der Name des Liedes zustande – es nennt sich „Rolling with the ashes“, da sein Flug fast durch die berühmte isländische Aschewolke abgesagt worden wäre.

Ein Song berührt Rafferty besonders. „She believes in me“ sei ein wichtiger Titel für ihn, da seine Mutter an das Talent in ihm geglaubt und ihn immer unterstützt habe. Bei Michael Jacksons „Billy Jean“ wurden die Zuhörer ermuntert, den legendären Beat zu geben, schließlich hatte er es schon im vergangenen Jahr mit ihnen geprobt. Für Roland Kalus war es eine große Ehre, einen seiner „größten Helden“ bereits zum zweiten Mal begrüßen zu dürfen. Adam hatte er 2009 bei dem „Open String Festival“ kennengelernt und den Kontakt aufrechterhalten. „Er ist einfach ein toller Gitarrist“, brachte es Kalus auf den Punkt. Immer wieder gab es tosenden Applaus für den Gitarristen. So entließen ihn die Fans erst nach mehreren Zugaben und einem kleinen Medley aus bekannten Hip-Hop-Stücken wie „Whoomp there it is“ und „You can touch this“. Aber auch für ein Gespräch vor und nach dem Konzert war der Künstler bereit und zeigte sich sehr publikumsnah. Einige der Zuhörer nutzten die Möglichkeit am darauffolgenden Tag, einen Workshop mit ihm zu machen und einiges von Adam Rafferty zu lernen.

"Ein Trialog im Weihnachtsrausch" von Marta Thor - 30.12.2012

Drei Zutaten braucht es für ein gelungenes Weihnachtskonzert: Schlagzeug, Kontrabass und ein Akkordeon, in einem Wort: Engelrausch. Oder eigentlich das Trio "Tango Transit" -- auf vorweihnachtlicher Mission. Denn Martin Wagner (Akkordeon) und Hanns Höhn (Kontrabass) konnten ihren Schlagzeuger Andreas Neubauer für ihr Winterjazzprojekt "Engelrausch", das sie seit 2004 als Duo bestreiten, einfach nicht zurücklassen. Schon gar nicht zur Weihnachtszeit. So durfte Hausherr Roland Kalus erstmalig ein Schlagzeug auf der Bühne des Bechtolsheimer KulturGUTs anmoderieren.

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Nachdem sich das Trio mit einem furiosen Medley quer durch das Weihnachtsliederbuch warm spielte, setzten sie zum traditionellen Locklied "Kommet ihr Hirten" an -- bei "Engelrausch" auch unter "Snowflake Fantasie" bekannt. Was die voll besetzten Reihen dann erwartete war mitnichten zu vergleichen mit dem altbekannten Chorklassiker, der bei keinem Schulkrippenspiel fehlt. Ein Ausbruch unerwarteter Tonfolgen, virtuoser Fingerspiele von Wagner, aber auch des Bassisten Höhn, wurde nur noch abgerundet durch Neubauers einfühlsame und zugleich kraftvolle Percussion. Gelegentlich erkannte der musikalisch geschulte Weihnachts-Connaisseur ein ihm bekanntes Thema, das sich immer wieder in die jazzig-launigen Interpretationen hineinspann. Immer wieder entlockte Wagner seinem Instrument so vielfältige Klangfarben, dass diese klanglich fast eine ganze Big Band ersetzten. Mal zog er dunkle, vibrato-lastige Töne in die Länge, die sich zusammen mit Höhns Bass zum Klangbild eines Schiffshorn vereinten, dann wiederum spielte er mit höchster Präzision schnelle Passagen und erzeugte somit den Eindruck echter Multitonalität. "Der ursprüngliche und volkstümliche Charakter der Lieder sollte auf jeden Fall erhalten bleiben," so Martin Wagner, dessen Idee die ungewöhnliche Verarbeitung des traditionellen Liedguts, fernab vom weit verbreiteten "Swinging Christmas", war.

Weihnachtslieder bewegten die Menschen emotional, daher müsse man die unverfälschte Atmosphäre der Stücke trotz Improvisationen belassen, sagte Wagner. Die Idee ausgerechnet Weihnachtslieder auseinanderzunehmen, neu zusammenzusetzen und ihnen ein jazziges Klangbild zu verleihen, reifte beim Akkordeonisten schon seit frühster Jugend. Mit dem Bassisten Hanns Höhn startete er schließlich im Jahr 2004 die alljährliche "Engelrausch"-Tour und so entstanden immer neue Interpretationen und Elemente. Erstmals spielen sie das Programm mit ihrem Kollegen von "Tango Transit", Andreas Neubauer. Und das sei "superklasse", wie Wagner begeistert berichtete: "Oft fällt durch ein zusätzliches Instrument etwas weg, doch in diesem Fall erhielten wir nur neuen Input. Andreas setzt unheimlich sensibel und einfühlsam seine eigenen Akzente und rundet das Projekt ab. Es ist quasi ein Trialog." Auch wenn sie sich musikalisch als "Tango Transit" mehr zwischen Cajun, Funk und Blues bewegen, bringen sie als Rauschengel einen folkigen und rockigen Charakter ins Spiel. Als Wagner den "Andachtsjodler" neu interpretierte, summte das Publikum begeistert mit. Neubauer riss bei seinem minutenlangen Schlagzeugsolo, in der Gassenhauer-Version von "Kling Glöckchen" alias "Carribean Cling-clong", auch die letzten Weihnachtsmuffel vom Hocker. Und so endete das Konzert stimmungsvoll-spannungsgeladen in einer -- diesmal deutlich erkennbaren -- "Stillen Nacht". Da wurde noch ein letztes Mal geschunkelt und gesummt, dazwischen noch einmal kräftig in die Tasten gehauen und interpretiert was die Saiten, Drumsticks und Verstärker hergaben, und das Publikum in eine, diesmal schneefreie, jedoch nicht minder emotionale Weihnachtsnacht entlassen.

„Einfach zauberhaft“ von Marta Thor 28.10.2012

Songpoetin Christina Lux verzaubert das Bechtolsheimer KulturGUT

„Einfach zauberhaft,“ fand Christina Lux am Samstagabend ihr Publikum im Bechtolsheimer KulturGUT. Ebenfalls zauberhaft fanden die Gäste die Lieder der erfrischend jung gebliebenen Songwriterin, die nicht nur musikalisch, sondern auch durch ihre natürliche Bühnenpräsenz überzeugte. Für viele Gäste ist die Songpoetin auf der ausverkauften Kleinkunstbühne keine Unbekannte. Immerhin stellt die gebürtige Karlsruherin mit „Playground“ ihre siebte CD vor.

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In Kooperation mit dem Dresdner Gitarristen und Percussionisten Reentko spielte sie wieder ein sehr eindringliches Akustik-Album ein. Bereits mit dem ersten Song, „Forget You“ vom neuen Album nimmt Lux die Hörer mit auf eine Reise in eine Welt, die nur aus Gitarrenklang und ihrer soulig-rauchigen Stimme besteht. Immer wieder haucht sie ein paar Liedzeilen ins Mikrofon und schlägt den Takt auf dem Gitarrenkorpus mit wie einen Herzschlag.

„Das neue Album heißt ‚Playground’, frei nach Kästners Zitat: ‚Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit’,“ erklärt Lux mit ihrer tiefen, leicht kratzigen Sprechstimme. Wenn Dinge im Leben sich verändern, dann schaffen sie auch neue Freiräume, sagt die 47-Jährige. Die müsse man für sich nutzen. Ihre Texte handeln oft von Erfahrungen oder Ereignisse, die ihr im Leben begegnen und sie dann beschäftigen. Den Song „Playground“ schließt mit dem Mantra „It’s never too late for a happy childhood“ und einem frechen Ploppen über die Backeninnenseite.

Die meisten Lieder schreibt Lux auf Englisch, doch zwischendrin gibt es so manche klangliche Perle auf Deutsch. So auch bei dem Folk-lastigen „Es ist gut so“, bei dem ihre Finger wie Schmetterlinge über das Griffbrett fliegen. Ebenso sanft singt sie dazu: „In diesem Augenblick ist es wie ein Mundvoll Glück, das wie Schokolade auf der Zunge zergeht.“ Den Moment zu genießen, das ist auch Teil ihrer Lebenseinstellung. Kleine Anekdoten zwischen den Liedern verraten die Denkweise der Singer-Songwriterin.

So sagt sie, dass ein wahrer Freund niemals sagen würde „Stell dich nicht an“, wenn es einem schlecht geht und die Tränen fließen, sondern einfach wortlos seine Schulter anbietet und für einen da ist. Lux wiegt sich mit geschlossenen Augen zum Rhythmus von „Healing Waters“ und funktioniert am Ende ihr Publikum zu einem spontanen Sprechchor um. Auch unbequeme Themen greift sie auf, wie beispielsweise in „War Torn“, das die Blindheit einstiger Kriegskinder für die Bedürfnisse ihres eigenen Nachwuchses beschreibt, oder die Verblendetheit und fehlende Toleranz vieler Religionen, etwa gegenüber Homosexualität, wie in „Love is my Religion“.

Mit wechselnden Instrumenten, ihrer Akustik-Gitarre mit silberglänzendem Namensschriftzug auf dem Griffbrett, einer elektrischen Gibson Jazzgitarre und einer Baritongitarre, schafft Lux immer wieder neue Stimmungen, die sie mit ihrer warmen Stimme untermalt. Die Autodidaktin hat sich das Gitarrenspiel mit zwölf Jahren selbst beigebracht, die Schule mit 18 abgebrochen und sich bewusst für ein Musikerdasein entschieden.

Doch das Musikerleben ist nicht leicht. Lux schreibt, spielt, singt und produziert ihre CDs selbst, ist ihre eigene Managerin und Booking-Agentur, was viel Zeit und Kraft in Anspruch nimmt: „Wenn ich 70 Konzerte im Jahr gebe, dann bin ich im grünen Bereich.“ Besonders freute sie sich daher über einige jüngere Konzertbesucher, denn das Interesse an Songwriter-Musik sei in dem Alter eher klein, doch in letzter Zeit stetig am wachsen.

„Ich habe beobachtet, dass sich das Musikkonsum-Verhalten der jetzt heranwachsenden Generation verändert. Vom schnellen Herunterladen über das Internet weg, hin zum Erwerb der Originale. Der Besitz der Platte wird wichtiger, die Haptik, der Mehrwert durch das Booklet und vor allem die Gewissheit den Musiker unterstützt zu haben.“ Die Sängerin spendet selbst 50 Cent ihrer neuen CD an Dunkelziffer e.V..
Mit dem Schlaflied „Spät“ beendet Lux das kleine, aber intensive Konzert im KulturGUT. Mit sanften Tönen lässt sie das Lied und den Abend ausklingen und hängt spontan noch einen kleinen Scat auf „luxianisch“ hinten an. Vier Mal war sie schon zu Gast im KulturGUT, doch mit sicherlich nicht zum letzten Mal, wie die Betreiber Elke Diepenbeck und Roland Kalus hoffen.

 

Musik von Herzen (Allgemeine Zeitung, 09.10.2012)


BECHTOLSHEIM

Von Christopher Mühleck

KONZERT Sarah Lipfert und Daniel Stelter treten im „Kulturgut“ in Bechtolsheim auf / Kleinkunstbühne feiert Einjähriges

Die Vollendung des ersten Lebensjahres ist immer etwas Besonderes. Wenn es dann auch unter großer Resonanz und viel Begeisterung, einem großartigen Soundtrack und reichlich Applaus über die buchstäbliche Kleinkunstbühne ging, dann haben die Eltern alles richtig gemacht. Dem zu Ehren waren es keine Geringeren als Samtstimme Sarah Lipfert und Jazz-Gitarrist Daniel Stelter, die dem „Kulturgut“ das Geburtstagsständchen brachten.

„Wir sind sehr froh, dass wir es ein Jahr geschafft haben. Es ist ein Selbstläufer geworden. Selbst wenn wir keine Weltstars holen, so kommen stets tolle und wichtige Leute auf unsere Bühne“, befand Kulturgut-Macherin Elke Diepenbeck, die zusammen mit Roland Kalus den kulturellen Akzent auf der rheinhessischen Landkarte setzt. Schließlich bietet gerade der Sonntagabend bei herbstlicher Kälte draußen auf dem heimischen Sofa zu Krimi-Atmosphäre und Fernseh-Lust reichlich anderweitige Unterhaltung. Aber eben kein dahingehauchtes „Baby, you can drive my car“ mit geschlossenen Augen, den sinnlichen Lippen am Mikrofon Marke Sarah Lipfert und einem stilvollen Lustwandeln auf der Gitarre eines Daniel Stelter. Locker flockig, zwanglos und publikumsnah jazzten und groovten sich die werdende Mama und einer von Deutschlands begehrtesten Live- und Studiomusikern in blindem Verständnis und virtuoser Harmonie in die Herzen der gespannten Zuhörer. Unter der markanten Dachschräge, die zum Kulturgut gehört wie die Stege auf den Gitarrenhals, war es gerade diese besondere Leichtfüßigkeit und Verträumtheit in der Musik wie etwa zu „Moon River“, die die bereits erwähnte kuschelig anheimelnde Stimmung in das Kleinod unabhängiger Kreativität in der Langgasse transportierten.

Der freischaffende Gitarrist und Komponist, der als Studiomusiker sehr gefragt ist und die Frau, deren Leidenschaft und Liebe dem Jazz gehören, inszenierten vor der weichen Bühnenbeleuchtung und dem mächtigen schwarzen Kulissenvorhang Musik von Herzen für solche, die ihres gerne öffnen. So brillierte das Duett in eleganter Harmonie zu „Joy Spring“ und Frühlingsgefühlen mitten im Herbst oder zum wunderbaren musikalischen Ausdruck einer balladesken Auseinandersetzung damit, was es bedeutet, sich zwischen zwei Menschen zu entscheiden, die man liebt. Auch deutschsprachig rückten die beiden näher an das Publikum, als mit „Für eine Nacht voller Seligkeit, da geb ich alles hin“ fröhlich, beschwingt und schwerelos der Abend mit einem guten Glas Wein und dem Arm um den Partner sinnlich fortschlenderte und langsam zur Nacht wurde. Letztlich lässt sich sagen, dass, ganz gleich ob Kabarett, Musik oder einfach nur rustikal-gemütliche Atmosphäre der Weinstube, mitten in der rheinhessischen Provinz ein Fleckchen liegt, in dem Kultur, klein, aber fein, gelebt und zelebriert wird.
 
 

„Ladies Nyght“ wird bei Heimspiel im Bechtolsheimer Kulturgut vom Publikum gefeiert (Allgemeine Zeitung, 21.08.2012)

21.08.2012 - BECHTOLSHEIM

Von Sabrina Jennewein

Brasilianisches Flair in Bechtolsheim: nicht möglich? Und ob. Bei dem Open-Air Konzert mit der „Ladies Nyght“ stimmten nicht nur die Wetterbedingungen, sondern auch der Gesang, der Rhythmus und die grandiose Stimmung.

Im romantischen Hof des Kulturguts hatten die drei erfolgreichen Sängerinnen mit ihrer dreiköpfigen Band geladen. Mit ihrer Musik holten Nanni Byl, Annika Klar und Elke Diepenbeck den Swing, den Jazz und Südamerika ins Dorf. Sie verzauberten mit ihren Stimmen die Zuhörer. Bei ihrem Sommerprogramm zeigten sie sich virtuos und voller Humor. Musik vom Feinsten - mal emotional und ruhig, dann wieder keck und sexy.

Anekdoten lockern auf

Was die Künstlerinnen aus ihren so unterschiedlichen Stimmen herausholten, war beeindruckend, und dennoch harmonierten sie grandios. „Oh yes, it’s Ladies Night“, mit diesem Song zogen die drei Damen in den Hof ein und bekamen bereits zu Anfang großen Applaus von den zahlreichen Gästen. Und das änderte sich auch während des ganzen Konzertes nicht. Immer wieder flammte Jubel auf, der die Künstlerinnen belohnte. Die einzelnen Stücke untermalten sie mit lustigen Anekdoten. Annika Klar, eine Halb-Schwedin, sorgte mit einem nordischen Song für die erste Abkühlung des Abends. Mit ihrer Art zu singen und zu gestikulieren, machte sie möglich, dass die Zuschauer wenigstens einen Teil des schwedischen Textes verstanden. Danach ging es aber schnell wieder an den Zuckerhut und die Copacabana. Man spürte förmlich die Wärme der südamerikanischen Sonne, als Nanni Byl in perfektem brasilianischen Portugiesisch über Rio sang. Ihre Leidenschaft für diese Musik war unverkennbar und machte die südamerikanischen Hits zum Höhepunkt. Gerade bei diesen Stücken kam die Band um die drei Ladies hervorragend zur Geltung. Gulf Schmid an der Gitarre, Rainer Dettling am Schlagzeug und Rolf Breyer am Bass groovten mit und sorgten für das brasilianische Feuer.

Für Lokalmatadorin Elke Diepenbeck war es ein Genuss, mit ihren zwei Kolleginnen im eigenen Hof zu spielen. Mit ihrer Stimmenvielfalt bewies sie, dass ihr Jazzstücke wie „The Joint ist jumping“ genauso gut liegen wie Balladen. Jeder Song wurde speziell für die drei wandelbaren Vokalakrobatinnen arrangiert. Aber auch die Leistung der drei Herren an den Instrumenten war nicht zu verachten. In jedem Stück zeigten sie ihr Können in einem Solo. Die drei temperamentvollen Frauen sorgten nicht nur mit der Musik für einen wundervollen Abend, sondern auch mit ihrer besonderen Art, die die Zuschauer mehr als begeisterte.

Biber Herrmann gastiert in Bechtolsheim (Allgemeine Zeitung, 24.07.2012)

BECHTOLSHEIM

(sje). Mit dem Motorrad auf der Route 66 oder gemeinsam mit Truckern den Blick über den Grand Canyon gleiten lassen und die Freiheit genießen - so fühlten sich die Gäste bei dem Konzert von dem Blues Singer und Songwriter Biber Herrmann (50) im „Kulturgut“ Bechtolsheim.

Nach langer Zeit schaffte es der berühmte Künstler, der für den German Blues Award nominiert ist, nach Bechtolsheim. Für ihn ist es eine große Ehre von seinen Kollegen Roland Kalus und seiner ehemaligen Gesangslehrerin Elke Diepenbeck engagiert worden zu sein. „So kleine Konzerte im Kreise von Freunden sind toll. Man spürt die Freude und Emotionen der Zuschauer und kann Songs mit Geschichte viel besser übermitteln.“ Dieses Gefühl sprang auch auf die Gäste über.

Biber entführte sie in die Welt des Country Blues. Mit eigenen Stücken sowie von ihm interpretierten Welthits füllte er den Abend.

Schwänke aus Musikerleben

Immer wieder sorgte er mit humorvollen Geschichten aus seinem Musikerleben für gute Stimmung und überschäumende Emotionen. Er erzählte, wie es zu einigen seiner Stücke kam und was die ersten Zeilen beeinflusst hat. So konnten die Zuhörer die Musik noch intensiver spüren. Da war es nicht verwunderlich, dass bei einem Song wie „No one else does“, das von einem ängstlichen Mädchen im Tiergarten handelt, einige Tränen flossen. Aber besonders die Lieder mit Country-Einfluss kamen sehr gut an.

Wenn er mit seiner Akustikgitarre die Fingerstyle-Arrangements spielte und damit verschiedene Tonlagen erzeugte, klang es, als wären mehrere Gitarristen sowie ein Percussioninstrument auf der Bühne. Dadurch bekamen die Songs eine poetische Note, und es wirkte wie ein bunter Blumenstrauß aus nur einem Instrument. Die Leute waren begeistert. Sie groovten mit und wären fast aufgesprungen, um zu tanzen. Mit seiner rauchigen und dunklen Stimme sorgte er für viel Gänsehautgefühl. In tiefen Lagen sang er von Liebe, Krieg, Freundschaft und Enttäuschungen. Inwieweit einige der Stücke autobiografisch sind, verriet der Künstler nicht. Wenn er zu seiner Resonator-Gitarre griff, zelebrierte er den Blues mit viel Leidenschaft und Geschichte. Dabei reflektierte die Gitarre im Licht und zauberte eine tolle Stimmung in den Raum, die mit der Musik im Einklang war.

Songs der eigenen Idole

Immer wieder präsentierte er Songs von seinen Idolen Led Zepplin, Bob Dylan, Keith Richards, den Rolling Stones und Eric Clapton in einer ganz eigenen Interpretation. Mit „I can’t get no satisfaction“ überzeugte er auch den letzten Kritiker von seinem Können. Genauso gut wie mit der Gitarre kann der Bluessänger aber auch mit der Mundharmonika umgehen und gab seinem Repertoire damit eine besondere Note.

Am Ende jammte Herrmann gemeinsam mit seinen Kollegen Christina Lux, Ralf Gauck, Elke Diepenbeck und Roland Kalus und brachte die Stimmung damit zum Überkochen. Ein Musikerlebnis der Extraklasse, nicht nur für Blues-Fans.

 

„Fußball-Muffel-Konzert" (Allgemeine Zeitung, 13.06.2012)

13.06.2012 - BECHTOLSHEIM

Von Marta Thor

COOLSVILLE Elke Diepenbeck und Roland Kalus begeistern im „Kulturgut“

Im Wohnzimmer von Elke Diepenbeck und Roland Kalus: Das ist die Bühne des „Kulturguts“. Auf einem runden Dreibeintisch aus den 50er Jahren stehen ein Teelicht und Weingläser, die Setliste für den Abend liegt daneben. Aber so genau nimmt es heute keiner der vielen Gäste, denn das Konzert von „Coolsville“ am lauen Freitagabend findet in völlig ungezwungener Atmosphäre statt. Elke Diepenbeck stürmt gleich zu Beginn mit einer Tröte in den Zuschauerraum und kündigt das „Fußball-Muffel-Konzert“ an. Kalus quittiert den Auftritt sarkastisch: „Hätte ich das gewusst, hätte ich es unterbunden“ und legt direkt los mit dem ersten Song von Rickie Lee Jones (übrigens auch Namensgeberin des Duos), während seine Frau das Warm-Up noch für einen kurzen Soundcheck nutzt: „Aufgrund des EM-Auftakts war niemand für die Technik zu kriegen.“

Und dann geben die beiden Vollblutmusiker Gas mit einem Song übers Älterwerden von Bonnie Raitt, „Nick of Time“. Diepenbecks Augen strahlen, sie gestikuliert lebhaft. Zu einem „emanzipierten Gitarrenduo“ gehöre es selbstverständlich mit dazu, dass der Gitarrist auch Solo sein Können unter Beweis stellt: Kalus schließt die Augen, wiegt sich im Rhythmus während seine Finger zwischen schnellen gezupften Passagen, Slides und Bendings über Saiten und Brett hin- und herspringen.

Schneller Stimmungswechsel

Von Sting zu Hildegard Knef mit einer Premiere: Elke Diepenbeck am Klavier - alles ist möglich! Die Sängerin stimmt im Laufe des Abends immer wieder die Melodica an, ergänzt das Instrument mit dem samtig weichen Timbre ihrer Stimme, zieht die Töne lässig in die Länge, schluchzt und seufzt, tanzt dabei ausgelassen in ihrem lila Blümchen-Top über die Bühne und presst ein Tamburin an ihren Körper.

In der ersten Hälfte des Konzerts streikt noch „der Japaner“, wie Kalus das Loop-Gerät tituliert. Im zweiten Teil klappt es dann mit den eingespielten Takes und Rhythmen. Mittlerweile ist auch der weiße Mischlingshund Buddy ins gemütliche Wohnzimmerszenario eingezogen und rollt sich entspannt im Hintergrund zusammen.

Plötzlicher Stimmungswechsel bei „Boa Vista“ - Kalus wollte seinen Song eigentlich mit dem Flamenco-Gitarrist Bernd „El Salero“ Kuretitsch auf dieser Bühne spielen, doch der ist leider kürzlich verstorben: „Man lernt durch so einen Vorfall erst, jeden einzelnen Tag zu genießen.“ Doch als Kalus nahtlos von Gabriel Faurés Opus 50 in den Beat von Michael Jacksons „Billie Jean“ überleitet, kocht das Kulturgut fast über. Diepenbeck schnauft, scattet und improvisiert dazu in typischer Jackson-Manier. Besonders gelungen ist die Interpretation des wenig bekannten Lieds „Quiet“ von Paul Simon. Für die Zuschauer geht das facettenreiche Wohnzimmer-Konzert im Kulturgut viel zu schnell zu Ende. Es wird jedoch nicht das letzte sein, versprechen die Musiker.



Virtuos, groovy, lässig (Allgemeine Zeitung, 25.04.2012)

25.04.2012 - BECHTOLSHEIM

Von Karin Kinast

KONZERT Gitarrist Adam Rafferty bringt in Bechtolsheim die Saiten zum Swingen

Adam Rafferty im KulturGUT. Bereits der Name bürgt für Qualität. Steht das KulturGUT für kulturellen Hochgenuss, so verspricht der um den Globus tourende Adam Rafferty Fingerstyle-Gitarre der Extraklasse. Das, was der New Yorker Ausnahmegitarrist auf der kleinsten Bühne von Bechtolsheim hinlegt, reißt alle vom Hocker: rasante Fingerfertigkeit in erstaunlicher Kombination von Virtuosität und Lässigkeit, verinnerlicht und expressiv, sichtbar in gigantischer Mimik und Körpersprache.

Das Konzert in der reizvollen Kulturkneipe im historischen Anwesen von Elke Diepenbeck und Roland Kalus ist ausverkauft. Forsch begegnet Rafferty dem Publikum: „Vielleicht brauchen wir einen Schirm in den ersten Reihen.“ Das Handtuch ist sein zweitwichtigstes Instrument.

Entertainer und Meister des spontanen Witzes

Er spricht erstaunlich gut Deutsch. „Meine Oma war Wienerin“, erzählt er später. Impulsiv lässt er die Saiten aufschreien, startet mit Rhythm & Blues, reizt den bekannten Latinosong „Tequila“ bis zum vokal variierten „Obama“ köstlich aus und steigert sich im Western-Gitarrenspiel. Spätestens dann ist allen klar: Dieser Instrumentalist schafft es, auf seiner akustischen Gitarre wie eine ganze Band zu klingen. Melodie, Bass, Begleitung, alles in einem, mit unglaublicher Leichtigkeit, Spielfreude und Spaß.

Wenn er dann auch noch mit Beatboxen stimmakrobatisch oder auf der Gitarre trommelnd Perkussion einbaut, bleibt so manchem das Kinn offen. Erstaunlich auch seine Entertainerqualitäten, die an spontanem Witz nichts entbehren lassen. Gefragt ist Hip-Hop für die älteren Leute in Bechtolsheim. Schlagfertig gestaltet Rafferty Herbie Hancocks „Chameleon“ als „Mitmachkonzert für Ältere“.

Mit der Jazznummer „Fly Me to the Moon“ drückt er seine Verehrung für Frank Sinatra und Count Basie aus, mit dem Rock’n’Roll-Titel „The Boogie Man“ aus eigener Feder huldigt er Jimi Hendrix und James Brown. Groovy interpretiert er bekannte Titel aus Rock und Pop, komplexe Arrangements von Stevie Wonder und huldigt Michael Jackson. Aus seinem neuen Album „I Remember Michael“ spielt er etwa „Billie Jean“ mit eifriger Publikumsunterstützung, das Genuss-Stück „Lady In My Life“ zum Augenschließen und den unverkennbar fetzigen „Thriller“.

Songs von fesselnder Dynamik

Von fesselnder Dynamik sind auch seine eigenen Songs, deren Entstehungsgeschichte Rafferty mitreißend schildert: Der emotionale Titel „America“, eine musikalische Erwiderung auf „9/11“, den Anschlag auf das World Trade Center am elften September 2001, oder „Rolling in the Ashes“, entstanden 2010 auf einer durch den Vulkanausbruch von Island pannenreich verlaufenden Tournee.

„Große Klasse, extrem lässig, und dazu Spitzengitarrenspiel!“, war Manuela Ferrari aus Stadecken-Elsheim begeistert. Als „Hautnah-Konzert“ erlebte es Irene Radermacher aus Wörrstadt, die mit dem Ausnahmegitarristen nach dem Konzert ins Gespräch kam.

 


Ode an die süße „Caroline“ (Allgemeine Zeitung, 28.02.2012)

28.02.2012 - BECHTOLSHEIM

Von Ulla Grall

GITARRENKONZERT Augustín Amigó zu Gast im Kulturgut Bechtolsheim

Heiter und gelöst ist die Stimmung schon vor Konzertstart von Augustin Amigó im „Kulturgut“. Viele der Besucher nutzen die Gelegenheit, in der Weinstube ein Glas zu trinken, bevor der Musikgenuss beginnt.

Im ersten Teil präsentiert Augustín Amigó sowohl eigene Kompositionen als auch Bearbeitungen verschiedener Hits aus Rock und Pop. Der auf Teneriffa geborene Musiker erhielt nie Musikunterricht, das Gitarrespielen hat er sich mit zehn Jahren selbst beigebracht, und durch fleißiges Üben kam er schon mit 13 bei „Jugend musiziert“ in Valencia ins Finale. Über das erste Stück des Abends erzählt er: „Den Song habe ich geschrieben, als ich nachts nicht schlafen konnte vor Freude über meine neue Gitarre, die ich mir gerade gekauft hatte.“ Das Instrument aus der Werkstatt von Andreas Cuntz ist auch wirklich ganz wunderbar, mit vollem, weichem, runden Klang.

Ein Song, der Mutter gewidmet

Einen weiteren Song hat er seiner Mutter gewidmet: ein getragenes Musikstück, in dem man die spanischen Elemente durchaus erkennen kann. Mit „Friends“ bedankt er sich bei seinen Bechtolsheimer Gastgebern: „Das Kulturgut ist wirklich wundervoll - das haben die beiden so schön gemacht. Es ist mir eine Ehre, hier spielen zu dürfen.“

Er steht auf der Bühne in Jeans, T-Shirt und Sweatjacke, auf dem Kopf eine Tweedmütze, wiegt sich leicht in den Knien und spielt, „als ob das gar nichts wäre“ - unaufgeregt und hingebungsvoll. Bekannt wurde Amigó durch seine Arrangements von bekannten Titeln verschiedener Interpreten. Beispiele dafür: „Time after Time“ von Cindy Lauper oder „Sweet Caroline“ von Neil Diamond - eines seiner Lieblingsstücke, wie er sagt.

„In den 70er und 80er Jahren war die Musik vielleicht nicht die Beste“, meint er, „aber das war das, was man so gehört hat.“ So wie das Stück der Pet Shop Boys, „Suburbia“. „Ich hoffe, Sie haben Vergnügen daran, sich in diese Zeit zurück versetzen zu lassen“, sagt er zum Publikum gewandt. Greatest Hit unter seinen Arrangements ist zweifelsohne „Video killed the Radiostar“, das einzige Stück der „Buggles“, das in die Charts gelangte und dem die Amigó‘sche Interpretation ein Augenzwinkern verleiht, das dem Original vielleicht noch fehlte. Nach der Pause betritt Roland Kalus, der Mitbetreiber des Kulturguts, mit seiner Gitarre die Bühne. „How my Garden grows“ stellt er vor: „Mein erster Bechtolsheimer Song“. Kalus‘ Stil ist ein ganz anderer. Bluesiger könnte man sagen. Und man hört den Generationsunterschied - nicht nur in der Musikauswahl. Auch er interpretiert neben eigenen Kompositionen bekannte Titel, so zum Beispiel „Somewhere over the rainbow“ in seiner eigenen Version. Zu Stevie Wonders „If it´s magic“ begrüßt Kalus seine Partnerin, die Sängerin - Elke Diepenbeck. Diepenbeck singt locker und jazzig und lehrt uns außerdem: Die Melodika ist ein verkanntes Instrument…

Als Abschluss kommt Augustín Amigó zu den beiden und zu Dritt interpretieren sie ein Irisches Traditional „The water is wide“. Mit dem sacht swingenden Schlaflied von Silje Nergaard verabschiedet sich das Kulturgut-Team für diesen Abend von seinen Gästen.


Vorpremiere für neues Programm des Kabarettisten und Zauberkünstlers Desimo in bechtolsheim (Allgemeine Zeitung, 09.02.2012)

09.02.2012 - BECHTOLSHEIM

Von Marta Thor

„Wie macht er das bloß?“ Diese Frage bleibt den knapp 40 Gästen der Kleinkunstbühne im Bechtolsheimer KulturGUT, die über den Kabarettisten und Flinkfinger Desimo bei seiner Vorpremiere des neuen Programms „Übersinnlose Fähigkeiten“ staunen konnten - trotz einiger Absagen wegen des überraschenden Schneetreibens. Alltagsfragen wie „Was passiert mit den Socken in der Waschmaschine?“ oder „Wie unterschiedlich ist eigentlich unsere eigene Wahrnehmung?“ präsentierte der Hannoveraner Detlef Simon mit rhetorischen und visuellen Sinnbildern - und ein klein wenig Zauberkunst.

Fühlkasten mit „brennendem“ Inhalt

Desimo arbeitet nicht nur mit vielen charmant und natürlich präsentierten Wortspielen, sondern auch mit seinem Publikum. Ob kleine oder große Bühnen, das ist dem früheren Radiomoderator eigentlich egal, denn ihm kommt es mittlerweile auf die Prozesse an, die sich beim Zusammenwirken von ahnungslosem Auditorium und seiner eigenen Beeinflussung und Fingerfertigkeit ergeben. So führt er einen Zuschauer beim Blick in den eigens dafür präparierten Fühlkasten gekonnt in die Irre: „Das ist eine heiße Kiste und jetzt wird es wirklich brennend spannend!“ - heraus kommt am Ende dann nichts Hochentzündliches, sondern eine Flasche Cranberry-Sprudel.

Doch Desimo hat mehr zu bieten als ausgediente Tricks aus seiner früheren Karriere als Zauberkünstler. Mit Wortspielen im Stil von Michael „Bully“ Herbigs „Tapete“ aus der Bullyparade versucht er sich an einer möglichen Fortsetzung zu Stieg Larssons Schwedenkrimis. „Verschwedung: Man öre und staune! Das Opfer wurde mit einem Lillehammer hinter den Kopenhagen erschlagen.“ Desimos Kriminalkomissar Ikea wird in seiner Fassung wortmalerisch verächtlich als „Köttbullar“ bezeichnet - eben echt skandinavisch.

Seine Vielseitigkeit beweist der Künstler in zahlreichen Improvisationen: Mal imitiert er einen Sportreporter im Kreißsaal („Es herrscht starker Druck, doch sie will sich nicht von der Kugel trennen“), mal zwingt er dem Publikum kurzerhand einen Sprachkurs in Klingonisch auf („Bellen Sie ins Mikrofon: Vat ji Sop!“), die thematische Bandbreite Desimos reicht weit. An manchen Stellen holpert es noch spürbar, die Routine für das neue Programm fehlt, doch das sieht Simon ganz entspannt: „Bis zur Premiere im April vor 600 Gästen sitzt das.“

Philosophische Betrachtung eines Absperrbandes

An manchen Stellen wirken Desimos Fragen geradezu philosophisch. Beim Betrachten des Absperrbands sinniert er: „Das Verbotene reizt immer. Das Band ist wie das Gesetz, flexibel und anpassbar. Man kann es übertreten oder unterlaufen.“ Dabei bleibt er nicht nur in seinem Monolog, sondern sucht immer wieder das Gespräch mit dem Publikum.

Zum Abschluss lässt er dieses dann noch Bauklötzchen staunen beim Modell seines Holzklotz-Baukastens. Den Rahmen übergibt er den Zuschauern und zaubert nach Vorführung verschiedener Formen dann zwei weitere Steine aus seiner Tasche, die er durch geschicktes Umherschieben auf der Magnettafel am Ende wieder zum ursprünglichen Rechteck formt - und zum Erstaunen aller passt auch der Holzrahmen wieder. Wie macht er das bloß?


 

Gitarrenvirtuose Clive Carrol rockt im KulturGUT Bechtolsheim (Allgemeine Zeitung, 20.12.2011)

20.12.2011 - BECHTOLSHEIM

Von Christopher Mühleck

„De Clive rockt!“ Das mag sich mancher ob des opulenten Samstagabendprogramms gedacht haben, das Gitarren-Gott und Spaßvogel Clive Carroll im heimeligen Schein der Beleuchtung auf die schmucke Bühne des KulturGUT zauberte. Dabei bestach der englische Wanderer über Steg und Bünde durch schnellen „Schritt“ und atemberaubende Virtuosität.

Was Madonna, französische Gourmets und die Bechtolsheimer gemeinsam haben? „Na, einen guten Geschmack. Herzlich willkommen Clive Carroll“, witzelte KulturGUT-Macher Roland Kalus vor Konzertbeginn noch, bevor Carroll, den das US-amerikanische „Acoustic Guitar Magazine“ für „den besten und originellsten Akustikgitarrenspieler und Komponisten in Großbritannien“ hält. Kein Wunder. Vom kleinen Zeh bis zur letzten Faser der frech unauffälligen Frisur ist alles auf das Saiteninstrument eingestellt und die vollen Ränge im kleinen Konzertsaal mit der schrägen Decke feiern den schrägen Schelm mit dem sympathischen Lachen und den flotten Fingern. „Guten Abend. Ich heiße Clive“, kommt es wohl formuliert und verständlich aus den Boxen, während Hände und Gestus zum ersten Stück des erfolgreichen Solo-Künstlers in die Pole-Position gehen.

Mit zwei Jahren ging es am Banjo los

„Das ist mein erstes öffentliches Konzert auf deutschem Boden überhaupt“, berichtet der Virtuose, der auf der Höhe der Siebziger in eine mehr als musikalische Familie hineingeboren wurde. Seine Karriere auf diesem Gebiet begann bereits mit zwei Jahren, als sein Vater dem Kleinen ein selbstgemachtes Banjo in die Hand drückte. Das gemeinsame Spiel mit der Familienband sollte nicht lange auf sich warten lassen, bevor sich die Dinge für den späteren Meister mit dem Entschluss für die Gitarre entscheidend ändern sollten.

Viele Jahre später. Blaues Hemd, schwarze Hose, samtweicher Anschlag oder infernalische Artistik in Harmonie und Fingerfertigkeit transportieren Latin, Folk oder Blues in das kleine Rund, das Carroll seine kunstvolle Bespaßung frenetisch dankt. Ob als singender „Einwanderer“ in die USA, der vor seinem Gastspiel auf der „Chat Atkins Convention“ in Nashville, Tennessee, am „Immigration Desk“ ein Ständchen à la Jerry Reed geben muss oder in der originalgetreuen Wiedergabe elisabethanischen Lautenspiels: Carroll macht im gut zweistündigen Programm den Großen seines Nachnamens alle Ehre und brilliert in Form und Inhalt.

Workshop am Nachmittag

Bereits am Mittag hatte der Vielseitigkeitsexperte, der mit seinem Album „Life in Colour“ gastierte und bereits den nächsten Langspieler in Angriff genommen hat, einen Workshop in Gitarrenspiel abgehalten. Jetzt, mehrere Stunden und etliche Akkorde später, schallen Rufe wie „Jingle Bells“, „Michelle“ oder „Stairway To Heaven“ Richtung Bühne, als Carroll mit der Atkinschen Basslinie musikalische Universalität demonstriert und lacht. Mit der Verpflichtung des Possenreißers und Profis von der Insel haben Elke Diepenbeck und Roland Kalus zweifelsohne einen großen Wurf gelandet und, im Zuge der Eröffnung im Oktober diesen Jahres, die ersten coolen Schritte in Richtung „Kultur und gut“ getan.

 

 

Raum für Musik und Kunst (Allgemeine Zeitung, 05.10.2011)

Von Roswitha Wünsche-Heiden

KULTURGUT Umgebauter Bauernhof öffnet in Bechtolsheim seine Pforten

Die Idee, ihre Berufe in eigenen Räumlichkeiten auszuüben, gab es schon seit sieben Jahren. Aber erst vor zwei Jahren wurden Elke Diepenbeck, Sängerin, Gesanglehrerin und Schauspielerin und Roland Kalus, Akustik-Gitarrist, Gitarren- und Klavierlehrer und Komponist, in der Ortsmitte von Bechtolsheim fündig. Ermutigt vom Bechtolsheimer Bürgermeister Harald Kemptner, erwarben sie einen ehemaligen Bauernhof, krempelten die Ärmel hoch und schafften es tatsächlich ausgerechnet in dem Jahr, in dem sie beide ihr 50. Lebensjahr vollendeten, das „KulturGUT“ mit einem „Tag der offenen Tür“ seiner Bestimmung zu übergeben.

Wie sich Mitbürger und angereiste Freunde und Bekannte nun überzeugen konnten, ist inzwischen mit Unterstützung zahlreicher Helfer ein Schmuckstück entstanden, das sich sehen lassen kann. Schon nach einem halben Jahr konnte das Ehepaar das historische Fachwerkhaus neben dem Rathaus beziehen und sich um die Herrichtung der Nebenräume kümmern. So wurde nach dem Freilegen und Verfugen des Sandstein-Mauerwerks aus dem ehemaligen Kuhstall ein gemütliches, kneipenartiges Foyer zu dem in der früheren Garage eingerichteten multifunktionalen Veranstaltungsraum für etwa 50 bis 60 Personen. Der davor liegende, zum Teil mit Kopfsteinpflaster versehene Hof geht über in ein lauschiges Wiesenfleckchen mit Bäumen, das von Waldrebe überwucherten Wänden begrenzt wird. Darüber hinaus gaben die begeisterten Theaterbesitzer auch Kostproben, von dem, was künftig hier stattfinden soll. So beschrieb Kalus, dass man hier nicht nur eigenen Unterricht erteilen wolle. Es sei geplant, auch nationale und internationale Künstler von Rang und Namen einzuladen, die nach Möglichkeit zunächst Workshops für Interessierte durchführen und den Tag mit einem eigenen Konzert beschließen sollten. Bei der Eröffnung sang die „Songpoetin“ Christina Lux Titel ihrer neusten CD, der Soloartist Biber Hermann hatte ebenso seine Auftritte wie die Wiesbadener Kultband „B.O.N.“ Drei Ladys von „Ladies Nyght“ machten auf ihr am 7. Oktober ebenfalls in Bechtolsheim stattfindendes Konzert neugierig, bis die Hausherren als Duo „Coolsville“ den krönenden Abschluss gestalteten. Ein ansprechender Flyer kündigt für das Jahr 2011 noch weitere acht Veranstaltungen an.

Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr hatte mittags für Frühschoppen-Musik gesorgt, die Landfrauen für Kaffee und Kuchen. „Es war den ganzen Tag über supervoll“, fasste Elke Diepenbeck zusammen und hofft wie Verbandsbürgermeister Steffen Unger, dass die neue kulturelle Einrichtung „immer mit Leben erfüllt“ bleibt. Ortsbürgermeister Kemptner lobte die Initiative des Paares im Sinne der Dorferneuerung und überreichte seitens der Gemeinde eine Ortsfahne.

 

Auf dem Photo: Harald Kemptner (von links), Christina Lux, Elke Diepenbeck, Roland Kalus und Steffen Unger freuen sich über die Eröffnung des „KulturGUT“ in Bechtolsheim. Foto: photoagenten / Carsten Selak


Gitarrenmusik der Extraklasse

15.10.2011 - BECHTOLSHEIM

KULTURGUT Hans York und Franco Morone gastieren in Bechtolsheim

(red). Weltklasse-Musiker sind zu Gast im KulturGUT Bechtolsheim in der Langgasse 46: Franco Morone und Hans York, die die Liebhaber akustischer Gitarrenmusik voll auf ihre Kosten kommen lassen. Am Samstag und Sonntag, 15. und 16. Oktober, gastieren die beiden im KulturGUT.

Poesie über Leidenschaft und Liebe

Den Anfang macht am Samstag der Singer und Songwriter Hans York aus Austin/Texas. Mit über 200 Konzerten im Jahr gehört er zu den wahren Weltenmusikern in den USA. Mit seinen berührenden Songs und tiefsinnigen Texten reflektiert er mit wundervoller Poesie über das Leben, die Leidenschaft und vor allem über die Liebe. Sein phantastisches Gitarrenspiel - oftmals in verschiedenen offenen Gitarren-Stimmungen - und Songwriting zeigt weite Einflüsse von James Taylor zu Stephen Bishop über Pat Metheny bis hin zu Paul Simon. Sein Konzert beginnt um 20 Uhr, Eintritt 13 Euro

Am Sonntag gastiert dann ein Ausnahmemusiker aus Italien. Franco Morone, den sowohl das Publikum als auch die Presse zu den ganz großen Namen der akustischen Gitarrenmusik zählen, gibt nicht nur ein Konzert am Abend, sondern tagsüber einen Workshop für Enthusiasten der Fingerstyle Gitarre. Franco Morone gilt als einer der interessantesten Gitarristen der internationalen Musikszene.

Kunstvolle Kompositionen und Arrangements

Dem US-Magazin „Acoustic Guitar“ zufolge besitzt er einen der einzigartigsten Fingerstyle-Sounds, und das renommierteste Gitarrenmagazin Japans zählt ihn zu den 30 großen Weltklassegitarristen. Der begnadete „Handwerker“ webt faszinierende Melodien in kunstvolle Kompositionen und Arrangements, die er bei seinen Konzerten mit außergewöhnlicher Sensibilität und unaufdringlicher Virtuosität zum Leben erweckt.

Seine Musik berührt bereits beim ersten Zuhören, denn er setzt weniger auf technische Artistik, sondern fesselt sein Publikum mit musikalischer Tiefe, ausdrucksvollem Sound und mediterraner Wärme.

Hans York will mit seiner Akustikgitarre das Publikum im KulturGUT Bechtolsheim begeistern. Foto: privat


 

 

Allgemeine Zeitung (Ausgabe Alzey)

Kulturbühne wird eröffnet (Allgemeine Zeitung, 23.09.2011)

23.09.2011 - BECHTOLSHEIM

(red). Das kulturelle Leben im Alzeyer Land wird durch einen neuen Veranstaltungsort bereichert: Mit der am Montag, 3. Oktober, 12 Uhr, über die Bühne gehenden Eröffnung des „KulturGUTs“/Langgasse 46 wird allen Freunden von Konzerten, Workshops sowie lokalen und internationalen Künstlern eine weitere Anlaufstelle geboten.

Elke Diepenbeck und Roland Kalus werden im umfangreich renovierten, historischen Gebäude zukünftig auch Unterricht in Gesang, Klavier und Gitarre anbieten. Am Eröffnungstag wird die Kleinkunstbühne und Musikschule am Petersberg ihren Gästen Weine, Kaffee, hausgebackenen Kuchen der Landfrauen sowie weitere Snacks kredenzen. Das Trio „B.O.N“, Sangpoetin Christina Lux, das Gastgeber-Duo „Coolsville“ und der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bechtolsheim sorgen am Tag der Deutschen Einheit für musikalische Unterhaltung. In naher Zukunft soll das Programm mit Lesungen, Ausstellungen und Filmabenden erweitert werden.